Ein Artikel von Jay Barrs.
Der wichtigste Teil eines Hauses ist das Fundament. 'Nenn dieses richtig geplant und gebaut wird, hält das Haus ewig"
Das Gleiche gilt auch für das Bogenschießen. Egal welchen Leistungsgrad du erreicht hast, wenn dein
Fundament nicht gut ist, so wirst du dein Potential nie voll nutzen bzw. erzielen können.
Beim Bogenschießen ist der Stand dein Fundament, auf dem alles Weitere aufgebaut wird.
Wie mit anderen Dingen im Bogensport gibt es nicht nur einen, sondern mehrere Wege,
um bestimmte Abläufe durchzuführen. In diesem Fall macht auch der Stand beim Schießen keine Ausnahme.
Es gibt jedoch einige grundlegende Richtlinien, die du befolgen solltest. Dein Stand sollte fest,
stabil, wiederholbar und angenehm sein. Natürlich geht es hier um den Stand auf flachem Boden also um ein
optimales Gelände. Beim Feldschießen muss man sich den Verhältnissen anpassen und mit dem
zurechtkommen, was man vorfindet.
Egal, welche Fußstellung man benutzt, die Füße sollten so weit auseinander stehen wie die Schultern breit sind.
Dabei ist darauf zu achten, dass sich dein Körpergewicht gleichmäßig auf beide Füße verteilt.
Im Gegensatz zu dem, was viele sagen, ist Bogenschießen ein Sport und erfordert deshalb den gleichen
athletischen Stand wie andere Sportarten z.B. Wenn ein Fußballtorhüter merkt, das der Ball auf sein
Tor geschossen wird, begibt er sich in einen athletischen Stand, um dann in der Lage zu sein,
in jede Richtung schnell zu reagieren ,um das Tor zu verhindern. Das bedeutet, er steht mit schulterbreiten
auseinander stehenden Füßen und verlagert sein Gewicht auf die Fußballen.
Sind die Füße enger zusammen, verliert er die Balance. Darüber hinaus kann er nicht schnell genug
reagieren. Natürlich muss man zugeben, dass wir uns beim Bogenschießen nicht viel bewegen (es sei denn, ihr habt mich gesehen, als ich keine gute Kondition hatte. Das war mehr unruhig zitternd als beweglich)
Aber wichtig ist, dass wir die stabilste Körperhaltung einnehmen müssen, um den Oberkörper während
des Schießens so ruhig wie möglich zu halten. Das gilt besonders bei windigem Wetter. So wie bei
jedem anderen guten Sportler sollten die Füße schulterbreit auseinander stehen.
Den meisten von uns wurde der traditionelle Parallelstand (Abb. 1 ) beigebracht, bei dem die
Fußspitzen beider Füße an der imaginären Linie senkrecht zu der Schießlinie und verlängert zur Zielmitte
stehen. Dies ist der einfachste Stand, der besonders Anfängern beigebracht wird. Er ist angenehm
und einfach zu wiederholen. Es gibt mehrere Spitzenschützen, die mit dieser Technik schießen.

Zum Beispiel Ed Eliason, der dies als Mitglied des Olympic- und World Team bewiesen hat.
Aufgrund dessen, dass der Schütze senkrecht zu der Schießlinie steht, sind die Schultern bereits
in einer Linie mit der Zielscheibe. Der Schütze kann den Bogen einfach ausziehen, ohne sich
darüber Gedanken zu machen, dass die Schultern sich bewegen, damit man bei vollem Auszug in
Linie steht. Die Verlängerung über die ich spreche, geht von der Schießhand durch die Schultern
zum Ellenbogen des gezogenen Arms bei vollem Auszug. Wie bei jeder Technik gibt es auch bei der
Parallelstellung Nachteile. Viele Schützen finden, dass bei dieser Haltung der Abstand zwischen
Sehne und Brust sehr gering ist. Wenn du anfängst, den Bogen in Richtung Scheibe auszuziehen,
kann es vorkommen, dass die Schulter des Bogenarms anfängt zu wandern (hohe Schulter).
Je nach der physischen Voraussetzung eines jeden Schützen kann dies zu einem großen Problem führen.
Wenn die Sehne die Brust zu hart berührt wird auch ein Brustschutz nicht helfen. Ein anderes,
noch ernsthafteres, Problem bei dieser Stellung ist die Stabilität des Oberkörpers während man
zum Schießen startbereit an der Linie steht, ist dieser Stand sehr stabil. Leider ist er aber nicht stabil genug für die Brust und den Rücken des Schützen. Wenn dich
beispielsweise jemand beim Verlassen der Schützenlinie am Rücken berührt, kann es sehr leicht
passieren, dass du demzufolge das Gleichgewicht verlierst. Das Gleiche gilt für den Brustbereich.
Wenn dich hier jemand berührt, wirst du nach hinten fallen. Jetzt wirst du dich sicherlich fragen,
wann war eigentlich das letzte Mal, als mich jemand an der Schießlinie angestoßen hat?
Die meisten FITA-Plätze sind so konzipiert, dass der Wind von Ost nach West und umgekehrt weht.
Das bedeutet, dass du den Wind im Gesicht und am Rücken spürst. Das ist der Hauptgrund, weshalb ich
den offenen Stand befürworte. Beim offenen Stand steht der Schütze mit der Hüfte und der Brust
»offen« an der Schusslinie zur Scheibe. Starte in der Parallelstellung und bewege deinen Vorderfuß
linker Fuß für Rechtshänder) 12 inches (30 Zentimeter) zurück. Drehe nun deine Fußspitzen nach
außen (Abb. 2)

Im Gegensatz zu der Parallelhaltung, die 90 Grad zur Schießlinie beträgt, sind es hier nur 45 Grad.
Die Füße stehen schulterbreit auseinander und das Gewicht ist auf beiden Füssen von den Zehenspitzen
bis zu der Ferse gleichmäßig verlagert, so dass diese Position für den Brust und Rückenbereich sehr
viel stabiler ist, als die Parallelposition. Du stehst in einem offenen Stand mit der Hüfte und
der Schulter offen zur Scheibe. Hebe deinen Bogenarm und beginne mit dem Auszug.
Du wirst automatisch beginnen, dich mit deiner Taille in Verlängerung mit den Schultern zu drehen.
Hier gibt es eine Menge Vorteile:
Die Bewegung spannt die untere Rückenmuskulatur langsam an. Das macht deinen Oberkörper stabiler.
Sobald die Schultern in die Schussverlängerung geraten, kann sich die Bogenschulter nicht so
stark bewegen, wie sie es bei der Parallelhaltung kann. Diese Fußstellung erzeugt einen größeren
Abstand zwischen Sehne und Brust. Natürlich sind neue Veränderungen beim Bogenschießen anfangs sehr
gewöhnungsbedürftig. Aber bei allem, was ich bis jetzt in meiner Karriere an meiner Technik
verändert habe, war diese Sache die in kürzester Zeit angenehmste Veränderung. Wenn du mit dem
offenen Stand experimentierst, variiere die Fußstellung und finde dabei die angenehmste und
Beste für dich heraus.
Viele Bogenschützen, wie auch Butch Johnson, öffnen ihren Stand nur
sehr wenig. Andere hingegen, wie z.B. Rick McKinney, öffnen ihren Stand sehr weit.
Ich beispielsweise stehe im 45-Grad Winkel zur Scheibe. Welchen Stand du auch benutzt, gehe sicher,
dass er der bequemste und angenehmste Stand für deine Physik und deinen Schießstil ist.
Wenn du einmal eine solide Grundlage besitzt, kannst du deine weitere Schießtechnik darauf aufbauen.
Viel Glück und gutes Gelingen!