Sehnenbau (bicolor-Sehne)

Den Bau einer "normalen, einfarbigen  Sehne" haben wir schon im Artikel von Burkhard Gauding behandelt. Deshalb gehe ich auf die einzelnen Steps hier nicht mehr so detailliert ein, wie Burkhard es getan hat.

Was brauchen wir:

- den Bogen samt Tab
- einen Sehnengalgen
- die alte Sehne
- einen  Checker
- ein Wickelgerät
- Sehnengarn (zwei Farben)
- einen Zollstock  / Massband
- ein sehr scharfes Messer / Cutter
Zuerst wird die alte Sehne vermessen, Standhöhe und Nockpunktüberhöhung ausgemessen und notiert.

Zu der gemessenen Sehnenlänge werden 2cm addiert! Warum, wird im Verlauf dieser Anleitung (hoffentlich) klar.




 
Zu Beginn ist es sinnvoll, den Sehnenstrang etwas überzuschlagen, damit man beim Abwickeln etwas Zug ausüben kann.
 

 
Ich fertige hier eine 20-Strang Sehne an, also enden die ersten 10 Windungen dort, wo sie abgefangen haben.
 

 
Wenn Du jetzt die losen Enden über Kreuz mehrmals überschlägst, bringt das mehr Stabilität in die Sehne.
 
Da wir eine Bicolor-Sehne anfertigen wollen, kommt nun die zweite Farbe an die Reihe. Sinnvollerweise beginnt man nun mit dem Wickeln der zweiten Hälfte auf der anderen Seite der Sehne. Dann hat man an beiden Enden der Sehne jeweils die Sehnengarn-Enden und somit ist die Sehne an beiden Enden gleich dick.
 
Die Sehnen wird nun wie abgebildet an einem Ende aufgenommen und eingedreht. 2o Umdrehungen sollten es schon sein.
 
Auch die Öhrchen werden eingedreht. Wenn man das vor der Endenwicklung macht, zu der wir bald kommen, hält die Sache bedeutend länger.
 
Nach der ganzen Eindreherei ist unsere Sehne nun ca. 2cm kürzer geworden. Nun werdet Ihr verstehen, warum zu dem Mass der alten Sehne diese 2cm aufaddiert wurden.
 
Das verdrillte Öhrchen als Detail. Schaut gut aus in zweifarbig, oder?
 
Wenn die Sehne wieder auf dem Galgen unter möglichst hoher Spannung aufgezogen wurde, werden die über Kreuzumwickelten Sehnengarn-Enden wieder geöffnet und parallel zur Sehne gebracht. Die Endenwicklung der Sehne wird hierdurch gleichmässiger und die Sehnengarn-Enden lassen sich besser abschneiden.
 
Das überschüssige Wachs wird nun mit Garnresten oder Wickelgarn, das als Schlinge um die Sehne gelegt wird, von der Sehne entfernt. Mit einem Baumwoll-Lappen kann man noch ein paar mal fest und schnell solange darüber reiben, bis die Sehne merklich warm wird. Das in der Sehne verbliebene Wachs verteilt sich so homogen in der Sehne und macht sie glatt und fest.
 
Jetzt beginnen wir mit den Endenwicklungen. Die Öhrchen werden nicht mit eingewickelt, das macht die Sehne nur schwerer und langsamer.
 
Wie genau die Wicklung (technisch) gemacht wird, schlagt bitte in der Anleitung von Burkhard nach.
 
Die genaue Länge der Endenwicklung messt bitte an der alten Sehne oder ermittelt diese direkt am Bogen: Bei aufgespanntem Bogen endet die Endenwicklung dort, wo die Sehnenrille am Wurfarm-Ende aufhört.

 


 
Die Garn-Enden werden aus der Wicklung herausgeführt und erst mit dem Cutter abgeschnitten, wenn die Wicklung wie hier zu sehen, fertig ist.
 
Sind beide Enden-Wicklungen fertig, wird die alte Sehne über die neue Sehne aufgespannt, um die genaue Position des Nockpunktes zu finden. Die Mittenwicklung braucht nur so lang zu sein, dass das TAB bequem Platz findet. In der neuen Sehne markieren wir daher das obere und das untere Ende der Mittenwicklung, egal wie lang die alte Mittenwicklung nun war. Die Massgabe hierfür ist die TAB-Grösse.
Der Beginn der Mittelwicklung verschiebt sich dann nicht mehr, wenn er durch die Sehne gemacht wird, und sehr fest gewickelt wird. Hierzu "spaltet" man die Sehne vorsichtig mit einem stumpfen Gegenstand (Stricknadel oder wie hier ein Spatel) und zieht das Wickelgarn durch die Sehne. Wie genau die Wicklung (technisch) gemacht wird, schlagt bitte in der Anleitung von Burkhard nach.
 
Die fertige Sehne kann nun auf den Bogen gespannt werden. Nun wird mit Hilfe der gemessenen Standhöhe die Sehne passend eingedreht und danach der zu Beginn ausgemessene Nockpunkt markiert und angebracht.

 Mein Tipp: zu einer Bicolor-Sehne passen zweifarbige Papiernockpunkte besonders gut.