Trainingstipp

aus: Bogensport-Magazin Ausgabe 5/2002

Von Sven T. Reichelt

Follow Trough (Nachhalten)

»Follow through« ist auch ein wenig schwierig zu übersetzen. Es bedeutet eigentlich »Nachhalten« oder »nachzielen«. Es beschreibt dein Verhalten direkt nachdem du das Release ausgelöst hast. 


Was tust du direkt nach dem Schuss? Dieser Teil einer Sekunde nachdem der Pfeil gelöst ist, ist ein sehr kritischer Zeitraum während des Schussablaufes. Du hast vielleicht perfekt gezielt, perfekt gelöst und triffst trotzdem nicht. Das ist möglicherweise das Ergebnis eines schlechten »follow through«. 
Dieser Begriff »follow through« wird wohl am besten beschrieben als »Die Körperbewegung zwischen dem Lösen des Pfeils und dessen Auftreffen auf der Scheibe«
Der Bogenarm ist das kritischste Glied in der Follow through Kette. Die meisten Schützen erlauben es ihrem Bogenarm in irgendeine Richtung wild zu »explodieren« oder anders ausgedrückt: Es geht in eine andere Richtung, als direkt in Richtung Scheibe. Diese unkontrollierte Aktion hat negative Auswirkungen auf die Genauigkeit. Diese »Explosion« beginnt nämlich schon in dem Moment, in dem sich das Release von der Sehne oder dem D-Loop löst.
Mit anderen Worten: Der Bogen kann sich bewegen, bevor der Pfeil die Sehne verlassen hat. Das kann sich natürlich in einem Trefferbild a la »Schrotschuss« auswirken. Das beste »Nachhalten« ergibt sich aus meiner Sicht, wenn du mit leicht gebeugtem Ellbogen schießt. Ich sehe das perfekte »follow through« so: Wenn ich ziele und das Release auslöse, bemühe ich mich meinen Bogenarm in exakt der gleichen Position zu halten, während der Pfeil auf die Scheibe (das Ziel!) zufliegt, wo er war als ich gezielt habe. Oder anders, ich halte den Bogenarm ruhig, bis der Pfeil die Scheibe getroffen hat. Die einzige Bewegung die du spüren solltest, ist eine leichte Vorwärtsbewegung wenn der Rückschlag den Bogen nach vorn zieht. Die meisten Schützen finden das schwierig, wenn sie es zum ersten Mal versuchen. 
Dies kommt natürlich durch den plötzlichen Verlust an Spannung, wenn das Release aufgeht. Du musst deinen Bogenarm zwingen, still zu halten. Aber nach ein wenig Übung und Training wirst du feststellen, dass es genauso leicht ist, den Bogenarm ruhig zu halten, als ihm zu erlauben wild in irgendeine Richtung zu springen. 
Diese Art von »follow through« ist mit Sicherheit am effektivsten und damit auch am genauesten, gegenüber jeder anderen »Nach-Schuss-Reaktion«
Wenn du an dieser Technik arbeitest, wirst du ab und zu die Überraschung erleben, dass du deinen Pfeil durch das Scope die Scheibe treffen siehst. Sieht toll aus. Wenn das passiert, hast du das perfekte »follow through«. Die Release-Hand ist nicht ganz so kritisch wie der Bogenarm bedarf aber doch ein wenig Aufmerksamkeit. In dem Moment, in dem das Lösen passiert, sollte deine Release-Hand in einer flüssigen Bewegung gerade weg von der Scheibe fliegen. 
Diese Rückwärtsbewegung ist natürlich ein guter Indikator für gute und richtige Rückenspannung. Fliegt deine Hand nicht nach hinten, hast du entweder den Moment vorher gewusst oder deine Rückenspannung war nicht in Ordnung. Das perfekte »follow through« rettet dir mit Sicherheit die meisten Ringe und bringt dir mehr Zehner, als jeder andere Teil des Schussablaufes. Dieser Aspekt des Schussablaufes sollte wirklich bei jedem Schuss trainiert werden.

Schlussbemerkung:

Es scheint so zu sein, dass viele Schützen der Meinung sind, dass der Schießstil eine sehr individuelle Sache ist. Sie denken, sie sollten einen Stil nach eigenem Geschmack entwickeln. Ich bin fest da von überzeugt, dass der Wichtigste Faktor in dem Bemühen mehr Ringe zu schießen als andere darin besteht einen exzellenten Schießstil zu entwickeln und zu pflegen.
Geh mal zu einem großen Turnier und beobachte die »Großen«. Ich glaube du wirst eine auffallende Ähnlichkeit in deren Schießstil feststellen. Ich will dir nicht empfehlen den besten Schützen deiner Umgebung wie ein Chamäleon zu imitieren, aber sich von den besten Schützen des Landes was »abzuschauen« tut bestimmt nicht weh. Oder?