Von George Tekmitchov
Recurveschützen haben überall die gleichen Fragen und Probleme. Hier folgen nun verschiedene Fragen und deren Antworten, die auf der Welt immer wieder gestellt werden!
Welche anderen Vorteile ausser dem speziellen Gewicht besitzt der X10 Schaft gegenüber dem ACE und den anderen Schäften? Gibt es auch Nachteile?
Es gibt verschiedene Vorteile :
- der dünnere Durchmesser des X10 Schafts hat weniger Oberfläche und im Vergleich mit dem ACE einen geringeren Durchmesser, was bei windigen Wetterverhältnissen auf die 90 und 70 Meter absolut von Vorteil ist.
- Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass der X10 ist mit einem weniger steifen Heck konstruiert ist als der ACE. Dadurch ergibt sich bei Fingerrelease ein besseres Verlassen des Pfeiles aus dem Bogenfenster im Vergleich zu dem steiferen Heck des ACE oder noch steiferen Parallelschäften.
- Der Hauptnachteil des XI0 mit seinem geringeren Durchmesser ist, dass man beim Einkleben der Spitzen besonders vorsichtig sein muss. Man muss sich Zeit lassen und die Spitzen sorgfältig erwärmen, um beim Einkleben der Spitzen ein Überhitzen der Schäfte zu vermeiden.
- Dünnere Schäfte wie der X10 erfordern auch gutes Scheibenmaterial, um ein Durchschiessen und eventuelle Beschädigungen der Schäfte zu vermeiden.
Was passiert, wenn man einen X10 am Heck kürzt?
Warum gibt es keine Tabelle, die den Effekt erklärt?
Warum empfiehlt Easton nicht, diese Schafte am Heck zu
kiirzen?
Wenn man den X10 (oder ACE) am Heck kürzt, erhalt man einen extrem steifen Pfeil, der sich unproportional verhalt im Gegensatz zum Kürzen am vorderen Schaftende. Das wird begründet durch die lange Verjüngung des Schafts am hinteren Ende und die Reaktion auf den Lösevorgang. Wird der Schaft am hinteren Ende gekürzt, reagiert der hintere Teil des Schaftes steifer. Wie auch immer, die genaue Antwort ist immer die Summe verschiedener Ursachen mit unterschiedlichsten Auswirkungen. Wohl die grösste Auswirkung hat beim Lösevorgang die Amplitude der Sehne des Schützen eine Bewegung, die man in keiner Tabelle komplett erfassen kann. Generell kann man sagen, bis zu einem Inch kann der Schaft verändert werden in Richtung des nächst steiferen Spines das reduziert aber auf jeden Fall den Charakter der Verzeihlichkeit des Schaftes. Das ist auch generell der Grund, warum es nicht empfohlen wird. Es ist besser, den Schaft im passenden Spine auszuwählen oder das Zuggewicht des Bogen etwas zu reduzieren um den Schaft steifer wirken zu lassen.
Was ist die beste Centershot-Einstellung fur den X10?
Ein allgemein verbreiteter Fehler unter den Bogenschützen ist der, dass sie die herkömmliche Centershot-Einstellung für den X10 anwenden. Diese Einstellung passt gut bei Schäften, die weicher als der Spine 650 sind, aber für den 650er und steifere Schäfte wird weniger Centershot benötigt. Das liegt an der relativ langen Verdickung des Schaftes. Die steiferen X10er tendieren dazu, sich selbst dynamisch auf den Centershot zu kompensieren und sollten deshalb generell näher im Center platziert werden als konventionelle Schäfte. Ein einfacher Rohschafttest auf unterschiedliche Distanzen kann genaue Auskunft geben, wie der Schaft korrekt eingestellt wird.
Warum sind Gewicht-Codes am oberen Teil eines Easton-Schafts? Ist das wichtig?
Die Aluminiumlegierung bestimmt die spezielle Steifigkeit - die Steifigkeit für eine gegebene Masse eines Materials immer genau gleich für eine gegebene Legierung. Das beeindruckendste an Aluminiumschäften ist, dass die heutigen Schäfte exakt zu den Schäften passen, die man vor 2O Jahren schon hatte und die man in 20 Jahren auch noch haben wird. Das ist bei Karbonfasermaterial nicht generell so, was im Vergleich mit Aluminium bedeutende Unterschiede in der Steifheit bei der Produktion mit sich bringt. Um damit zurecht zu kommen sortiert Easton zuerst die Karbonfasern, um dann den Schaft mit einem möglichst gleichen Spine (statische Steifheit) zu bauen. Weil dann immer noch Unterschiede im Karbonmaterial sind, können die Schäfte innerhalb einer Gruppe trotzdem ein paar Grains leichter oder schwerer sein als die anderen. Also macht Easton sich die Mühe, die Schäfte extra auszuwiegen und in verschiedene Gewichtskategorien einzuteilen (Cl, C2, etc.) um sicherzustellen, dass die Schäfte innerhalb eines Satzes möglichst gut zueinander passen (das ist die wichtigste Überlegung, die aber von einem Normalschützen nicht gemessen werden kann) und die Schaftgewichte einheitlich sind (was wiederum nicht so wichtig ist, aber leichter zu messen). Ergänzend wird sichergestellt, dass innerhalb eines Dutzends die Gewichtstoleranz innerhalb von 0,5 Grain liegt. Ehrlich, Easton übertreibt das ein bisschen aber sie sind schon ein wenig besessen von der Perfektion in diesem Bereich. Normalerweise ist so wenig Differenz zwischen einem Satz von z.B. C3 und C4-Schäften, dass diese nach dem Absägen, Kleben der Spitze und Befiedern problemlos miteinander gemischt werden können. Es sollte auch bemerkt werden, dass ein Schafthersteller, der dies nicht tut, wesentlich grössere Spineunterschiede in seiner Produktion hat als Easton. Im allgemeinen mehr als eine ganze Schaftstärke!
Wie findet man die beste Standhöhe?
Benutze Deine Ohren! In 99 von 100 Fällen liegt die beste Standhöhe eines Recurvebogens dort, wo der Bogen am leisesten schiesst. Es ist nicht überraschend, dass diese Standhöhe meist innerhalb der vom Hersteller empfohlenen Standhöhe liegt.
Wie viel von der Spitze bzw. vom Schaft soll beim Vollauszug noch vor dem Button vorstehen?
Aus verschiedenen Gründen, die jetzt in diesem Artikel nicht behandelt werden können, sollte der Schaft (gerechnet ohne Spitze] etwa noch 2 Zentimeter im Vollauszug vor der Buttonmitte vorstehen. Mehr ist in begründeten Fällen auch in Ordnung, weniger sollte vermieden werden.
Welche Tabgrösse sollte ein Schütze nehmen und wie lang oder kurz sollte das Leder geschnitten sein?
Die Grösse eines Tabs sollte mit der Handschuhgrösse verglichen werden. Wenn jemand einen kleinen Handschuh benutzt, sollte auch der Tab in einer kleinen Grösse gewählt werden. Dos wichtigste dabei ist, dass die Sehne beim Lösen nicht die Fingerspitzen berührt. Ist dies der Fall, ist sehr wahrscheinlich der Tab zu kurz.
Welche Stärke sollte das Leder eines Tabs haben oder wie viele Lagen Leder sollte ein Schütze benutzen?
Das ist für die meisten ein individuelles Problem. Generell aber kann man sagen. Komfort ist wichtig und der Tab sollte dick genug sein, um die Finger zu schützen. Manchmal ist es komfortabler mit weniger Lagen. Zum Beispiel fühlen sich zwei Lagen Cordovan besser an, als eine Lage Cordovan, eine Lage dünnes Gummi und eine Lage Wildleder. Wie auch immer, die zwei Lagen Cordovan sind zwar dünner, halten aber länger und verhalten sich bei nassem Wetter oft besser als eine Lösung mit einem Backing aus Wildleder.
Welche Grösse von Fingertrenner ist angebracht?
Das hängt von so vielen Faktoren ab, dass man hier keine klare Antwort geben kann. Viele Schützen schiessen mit Fingertrenner, andere wiederum ohne. Fingertrenner sollten benutzt werden, um Druckstellen der Zugfinger an der Nocke zu verhindern. Ob nun ein Fingertrenner benutzt wird oder nicht ist eine ganz individuelle Sache.
Wie lang oder kurz sollte das Leder bei einem Tab abgeschnitten werden?
Viele Topschützen machen gar nichts an Ihrem Tab, während andere ihn bis auf ein Minimum zurechtschneiden. Du kannst deine persönliche Mindestgrösse deines eingeschossenen Tabs bestimmen, indem du ihn mit Talkum bestäubst, ein paar Schüsse machst und dann schaust, wo die Sehne das Talkum vom Tab gerieben hat. Für gewöhnlich ist ein Punkt etwa 3 mm dahinter bereits unbenutzt. Es ist fraglich, ob es sinnvoll ist, einen wohldurchdachten Tab wie z.B. von Cavalier oder Angel noch zurechtzuschneiden. Nur als Beispiel sollte man wissen, dass Park, Soo-Njung ihren unglaublichen Weltrekord von 1405 Ringen mit einem ungetrimmten Cavalier-Tab schoss.
Warum verändern so viele Schützen Ihren Griff?
Es scheint in Mode gekommen zu sein, die Griffe von Topschützen zu imitieren. Für manche mag dos Basteln am Griff eine spassige Aktivität sein und es hat auch für gewöhnlich unverzügliche Auswirkungen (gute oder schlechte). Das Problem ist, dass viele Leute (vielleicht die Mehrheit) die Gründe nicht verstanden haben, die es notwendig machen, einen Griff zu verändern. Wenn man zum Beispiel von einem neutralen Griff auf einen hohen Griff umsteigt, verändert man mehr als nur den Handgelenkswinkel. Es beeinflusst auch das Schusstiming, die Bogendynamik und vieles mehr! In manchen Fällen kann die falsche Form eines Griffes Beschwerden verursachen, während der richtig passende Griff dies verhindern kann. Interessanterweise schiessen etliche Topschützen wie Magnus Petersson (1996 Olympische Medallie, Hallenweltmeister und 2006 Europameister) und Sebastian Rohrberg (2004 Weltmeister im Feld und 2007 Hallenweltmeister) die einfachen werkseitig gelieferten Griffe auf ihren Hoyt Helix-Mittelteilen. Magnus sagt, der Grund dafür ist, dass es unheimlich schwierig ist, zwei Custom-Griffe zu bekommen, die sich absolut gleich anfühlen! Andererseits haben manche Trainer definierte Meinungen, wie ein Griff geformt sein sollte. Dos ist aber abhängig vom Schiessstil. Eindeutig ist anzumerken, dass ein Wechsel auf einen anderen Griff, der für einen bestimmten Schiessstil geformt ist, und nicht mit dem entsprechenden begleitenden Training verbunden wird grosse Probleme verursachen kann und das ist leider sehr verbreitet. Der Griffwechsel kann verschiedene Veränderungen verursachen. Es ist besser, man probiert diverse Dinge nur unter Anweisung eines qualifizierten Trainers aus, der einem helfen kann und das volle Ausmass einer solchen Veränderung einzuschätzen vermag. Also, das kratzt ein bisschen an der Oberfläche! Über die nächsten paar Monate werden wir ein paar andere Fragen auf Seminaren betrachten. In der Zwischenzeit trainiere so gut du kannst nach deinen Möglichkeiten und schiess gut!