aus: Bogensport-Magazin Ausgaben 4,5 und 6 1999
Von Falk Thiele, Co-Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft
Klickertraining
Der
Schuss mit dem Klicker / Der komplette Schuss
Nachdem
wir es nun geschafft haben, dem Schützen den korrekten Auszug beizubringen und
alle bisherigen Übungen perfekt ausführt, kommen wir zum Klickerschuss.
Zum
Klicker vorab jedoch erst einige grundsätzliche Anmerkungen: Der Klicker sollte
erst dann angewendet werden, wenn unser Schützling einen so perfekten Auszug
hat, dass sich die Auszugslänge nicht mehr verändert, das heißt, der Weg von
der Vorspannung/Vorzielen bis zum Anker nahezu gleich ist. Geringe Abweichungen
von wenigen Millimetern sind akzeptabel, mehr jedoch nicht.
Wenn Ihr versucht, Eurem Schützling den Klicker anzubauen, so wird er wahrscheinlich nach dem Grund fragen. Oftmals hört man die Aussage, es handele sich nur um eine Auszugskontrolle. Sicherlich ist es richtig, dass der Klicker einen fest eingestellten Weg "begrenzt", jedoch dient er nicht nur zur Auszugskontrolle. Man hat festgestellt, dass der Anfänger, der einen konstanten Auszug hat, anfänglich auch ohne Klicker sehr gut trifft. Er geht dabei im Anker ins Gold und macht eine Feinstvisierung. Ist er mit dem Korn im Gold, wird der Pfeil gelöst. Mit der Zeit wird jedoch der Zeitpunkt des Zielens immer kürzer. Schließlich kommt es zu einem Punkt, wo der Schütze nur noch andeutungsweise ins Gold kommt und löst: die "Goldangst" ist geboren. Eines der schlimmsten Erlebnisse für einen Schützen.
Warum
kommt es dazu? Nun, wir als Trainer sind davon überzeugt, dass es daran liegt,
dass der Schütze keine "Aufgabe" mehr hat, das heißt, sobald das
Korn nur etwas das Gold "berührt", löst er den Pfeil. Sein Schuss
ist für ihn beendet. Es kommt oftmals sogar zu "Zuckern", da der
Schuss bereits im Kopf stattgefunden hat, obwohl in Wirklichkeit noch nicht gelöst
worden ist. Die Folge: Die Muskeln fangen verfrüht an, den Bogenarm abzufangen,
was eigentlich erst nach dem Lösen geschehen sollte. Wenn man dem
Bogensportler, sobald er einen konstanten Auszug hat, aber einen Klicker an
seinem Bogen befestigt, wird dies nicht mehr vorkommen. Die Goldangst entsteht
erst gar nicht. Durch den Klicker wird der Schütze nämlich dazu
"gezwungen", den Bogen ruhig im Gold zu halten, da er erst ab dem Zeitpunkt,
zu dem das Zielen abgeschlossen ist, damit beginnt, den Endzug durchzuführen.
Der Schütze erhält durch den Klicker eine zusätzliche Aufgabe. Erst
Feinzielen (Korn im Gold fixieren), dann Rückenspannung erhöhen und den Pfeil
unter gleichmäßiger Erhöhung der Rückenspannung durch den Klicker
"ziehen". Ihr seht also warum es wichtig ist, dass ein Schütze der
den konstanten Auszug erreicht hat und diesen auch mehrmals bis zur selben
Auszugslänge reproduzieren kann, von seinem Trainer einen Klicker erhält.
Vor
dem Schießen mit dem Klicker sind einige Punkte zu beachten:
1.
Der Schützling muss
alle Punkte aus den Kapiteln 1 und 2
perfekt beherrschen.
2.
Der Schützling
erreicht einen konstanten Auszug
3. Die Pfeile sollten möglichst nur so lang sein, dass sie maximal an einem Klickervorbau zu Ende sind (bei Kindern) Bei Erwachsenen sollten die Pfeile nur so lang sein, dass sie maximal an der Vorderkante des Bogenfensters enden
Die
richtige Einstellung des Klickers ist ganz einfach. Leider muss ich aber immer
wieder feststellen, dass bei der Masse der Bogenschützen der Klicker zu weit
nach hinten Richtung Button gestellt worden ist. Der Klicker sollte aber so
eingestellt sein, dass der Schütze ab dem Anker nur noch zirka zwei bis drei
Millimeter zu ziehen hat und nur durch eine relativ kurze Erhöhung der Rückenspannung
den Pfeil durch den Klicker gezogen bekommt.
Ein
zu weit hinten stehender Klicker führt dazu, dass der Schütze seine Ideallinie
verlassen muss um den Pfeil durch den Klicker ziehen zu können. Folgen davon
sind oft eine überhöhte Bogenschulter und eine Schräglage des Oberkörpers.
In Abhängigkeit dazu sind ein verkrampftes Lösen und unkontrollierte
Bewegungen des Bogenarmes die Konsequenz, da der Schütze aus einer sehr
verkrampften Position lösen muss. Ich habe schon Sportler ins Training
bekommen, deren Klicker bis zu zehn Zentimeter zu weit hinten stand. Eine
Katastrophe und eine Qual für den Schützling. Mit Bogenschießen hat dies
nichts zu tun. Hinzu kommt, dass der Pfeil meist nur durch Kürzen auf die
richtige Länge gebracht werden kann, und er dann meist zu steif wird. In der
Regel brauchen diese Schützen neue Pfeile. Eher selten kommt es vor, dass ein
Kicker zu weit nach vorn gestellt ist. Meist ist dies bei Kindern und
Jugendlichen der Fall, die durch das Wachstum ihre Auszugslänge verändert und
es unterlassen haben, dies zu kontrollieren. Auch ein zu weit nach vorne
gestellter Klicker zwingt den Schützen dazu, seine Ideallinie zu verIassen,
wobei der Ellbogen der Zughand meist zu weit vorn steht oder der Schütze der
Sehne mit dem Kopf entgegen kommt. So soll verhindert werden, dass der Klicker
zu früh kommt. Um den Klicker perfekt einzustellen, wird wie folgt vorgegangen:
1. Am Bogenfenster Millimeterpapier befestigen (Bild 1 )

2. Der Schützling auf einer Wettkampfentfernung mit Auflage mehrmals den Bogen bis Vollauszug ausziehen lassen und gleichzeitig die Position der Pfeilspitze auf dem Millimeterpapier merken. Dabei ist es wichtig, dass der Schütze alle Punkte aus den Kapiteln 1 und 2 perfekt beherrscht (Bild 2)

3.
Den gemerkten Punkt der Pfeilspitze auf dem Millimeterpapier markieren.
4. Die Position, die am meisten erreicht worden ist, als Position für den Klicker bestimmen und ca. sechs bis sieben Millimeter abziehen, Markierung anbringen (Bild 3)

5. Klicker so einstellen, dass er mit der Markierung übereinstimmt und lang genug ist, um während des gesamten Auszuges auf dem Pfeil inklusive Spitzen aufliegen zu können (Bild 4)

6. Millimeterpapier entfernen und Markierung auf den Bogen übertragen ( Bild 5)

Nun
kann dem Schützling der KIickerschuss/komplette Schuss beigebracht werden.
Am
besten begibt man sich mit dem Schützling auf eine kurze Entfernung. Beim
Erlernen des kompletten Schusses wird natürlich mit Auflage geschossen. Dem
Schützling wird nun beigebracht, ab dem Vollauszug (Erreichen des Ankers) sein
Korn bewusst ins Gold zu halten und danach unter gleichmäßiger Erhöhung der
Rückenspannung die Zughand noch hinten zu führen. Wenn der Klicker
"klickt", wird die Beugemuskulatur der Zugfinger zu entspannt und
der natürlichen Bewegung der Zughand nach hinten gefolgt. Nachhalten und
Aufrechterhaltung der Restspannung für zirka drei Sekunden nach dem Lösen
sind mittlerweile selbstverständlich.
Ab
dem ersten Tag mit Klicker sollte der Schütze auch lernen, nur so stark mit der
Zughand zu ziehen, wie er in der Lage ist, den Bogen und Bogenarm ruhig im Gold
zu halten. Es sollte immer Wert auf einen zügigen Klickerzug gelegt werden.
Niemals dem Schützling dazu raten, so langsam zu werden, dass er nicht mehr aus
dem Kreuz der Zehn kommt. Man sollte ihm eher beibringen, so mutig zu ziehen,
dass er zwar noch im Zentrum der Scheibe ist, aber einen gleichbleibenden und zügigen
Klickerzug aufweist. Nur so können die Muskeln von Bogenarm und Zughand
zusammen so stabil werden, dass sich der Bogenarm im zügigen Klickerzug nicht
aus dem Gold bewegt. Wer jedoch so langsam zieht, dass man als Trainer kaum noch
eine Bewegung sieht, neigt zu einem verkrampften Lösen und zu einem schlechten
Nachhalten. Ein zügiger Kickerzug gewährleistet auch ein sauberes Lösen und
einen stabilen Bogenarm.
Es
soll aber auch nicht so stark forciert werden, dass der Bogenschütze den Pfeil
durch den Klicker reißt. Wenn der Trainer keine gleichförmige Bewegung
wahrnimmt, das heißt, vom Vollauszug und vom Feinzielen bis zum
"Klick" die Bewegung so schnell ist, dass sie für den Trainer kaum
noch sichtbar ist, so führt dies meistens dazu, dass der Schützling so stark
zieht, dass der Bogenarm den Bogen nicht mehr im Gold halten kann und der Schuss
irgendwo hingeht. Ein gerissener Pfeil ist genauso schlecht, wie ein zu langsam
gezogener Pfeil. Hier sehen zwar das Lösen und der Bogenarm recht gut aus, der
Schütze löst jedoch nicht mehr im Zentrum, was wiederum zur Streuung auf der
Scheibe führen wird.
Merke:
Der Klickerzug setzt erst ein, nachdem das Zielen sauber abgeschlossen worden
ist. Dann muss der Klickerzug gleichmäßig sein, ohne zu stoppen! Mutig und
entschlossen durch den Klicker ziehen! Nicht reißen und nicht im Klickerzug
stehen bleiben !
Ab
dem Zeitpunkt, ab dem der Schützling den Vollauszug so beherrscht dass er
kaum noch variabel ist, kann der Klicker "Step-by-Step" weiter nach
vorn gesetzt werden, bis er einen Klicker-Endzug von zwei bis drei Millimeter
erreicht. Niemals dem Anfänger den Klicker zu feinfühlig einstellen. Sonst
neigt er dazu, den Kopf nach vorn zu bewegen und der Sehne im Vollauszug
entgegen zu kommen, um den vorzeitigen Klickereinsatz zu verhindern
Erst
wenn der Schützling den gleichmäßigen Klickerzug beherrscht, darf mit ihm mit
dem Schießen auf eine Wettkampfentfernung begonnen werden. Hier wird natürlich
mit der kürzesten begonnen. Die nächstgrößere Entfernung sollte erst in
Angriff genommen werden, wenn auf der kurzen Entfernung der Klickerzug perfekt
ausgeführt wird.
Nun
noch zusammenfassend einige Tipps für das Schießen mit dem Klicker:
·
Klickerposition
immer auf dem Bogen markieren Ansonsten kann durch die Aufbewahrung im Koffer
oder durch unachtsames Berühren des Klickers die erarbeitete Einstellung verändert
werden, ohne es kontrollieren und einstellen zu können.
·
Bei Kindern und
Jugendlichen regelmäßig wie oben beschrieben die Einstellung kontrollieren und
entsprechend einstellen. Durch rasches Wachstum kommt es schnell zu neuen
Klickereinstellungen !
·
Auch weiterhin
die Technik auf kurze Entfernung und ohne Auflage üben. Meistens wer den die
Schützlinge im Klickerzug immer langsamer, da sie immer genauer zielen wollen.
Dies kann durch das Techniktraining auf kurze Entfernung unterbunden werden.
·
Den Klickerschuss
auch mit geschlossenen Augen trainieren. Das heißt, dass ab Beendigung des
Zielens mit geschlossenen Augen der Entzug durchgeführt wird Die Augen dabei so
lange geschlossen gehalten, wie der Schützling "nachzielt". Dies führt
zur Verbesserung des Gefühls für den Endzug/Klickerzug
·
Verlängerten
Schuss durchführen. Das heißt, den Pfeil nach dem Klicker zirka dei bis vier
Millimeter mit der gleichen Zuggeschwindigkeit weiter ziehen, wie vor dem
Klicker. Visierkorn bleibt im Gold Endposition fixieren, Spannung für zirka
drei Sekunden halten und dann absetzen. Dies führt dazu dass der Schützling
Kraftreserven über den Endzug hinaus entwickelt. Er ist in der Lage, den
Klicker zu beherrschen. Die gleichmäßige Klickerzugbewegung eintrainiert wird.
Die
Übungen zum Klickerschuss sollten aber erst eingebaut werden, wenn der
komplette Schuss perfekt ausgeführt wird. Nicht zu ehrgeizig sein und gleich
mit den Übungen beginnen, bevor der Schützling den kompletten Schuss
beherrscht.
Ich
hoffe, dass viele von Euch ab jetzt den Klicker dort stehen haben, wo er hingehört
und in Zukunft der Klickerzug vielleicht auch besser verstanden wird. Oftmals
macht Bogenschießen auch viel mehr Spaß, wenn man sich nicht durch den Klicker
quält, sondern mutig und entschlossen zieht.
Viel
Spaß beim Probieren!