Recurvetraining

aus: Bogensport-Magazin Ausgabe 3 / 2005

Von Kyung-Rae Park, ehemaliger Coach der Koreanischen Nationalmannschaft

Häufige Fehler bei der Ausführung des Auszugs

Wie ich bereits erwähnt habe, kann es bei der Haltung während des Auszuges leicht zu falschen Ausführungen kommen, da man hier viel Kraft aufwenden
muss und ein großes Bewegungsspektrum hat. Schützen bemerken beim Auszug oft nicht, an welcher Stelle ihre Haltung falsch ist, weil sie sich auf das Ankern oder das Halten konzentrieren, und sie dazu tendieren, ihre Stellung beim Halten zu fixieren. Wenn die Bogenschulter hoch ist, resultiert dies meist schon vom Auszug her. 
Viele Schützen mit hoher Bogenschulter neigen nach dem Ankern dazu, während sie halten, ihre Schulter noch zu korrigieren. Das "Halten" kann nicht stabilisiert werden, ohne die fundamentalen Probleme beim Auszug zu fixieren. Auch wenn das Halten stabilisiert ist, ohne dass der Auszug stabil ist, variiert das Halten letztendlich doch. Der Auszug sollte möglichst früh fixiert werden, denn sonst wird es für eine lange Zeit zu einer
schlechten Gewohnheit, auch wenn es zu einem gewissen Standard reicht. Ich möchte nun die Gründe und die Lösungen für die genannten Probleme nennen. 

Die hochgezogene Schulter:

Dies passiert, wenn sich ein Anfänger noch nicht vertraut gemacht hat mit der grundlegenden Hallung. Entweder hat der Bogen ein zu hohes Zuggewicht oder der Bogen ist zu schwer. Der Hauptgrund liegt in der Instabilität zum Zeitpunkt des Ansetzens des Bogens. Die Bogenschulter wird während des Auszuges und Ankern hochgezogen. Zu diesem Zeitpunkt solltest du dich daran erinnern, dass du nicht deine Bogenschulter gewaltsam bewegst, denn sonst kannst du damit Kräfte auslösen, die eine Instabilität verursachen und du demnach eine falsche Haltung einnimmst. Die Bewegung der Schulter beeinflusst direkt den Zugarm, der die Haltezeit verlängert und gesonderte Kraft auf den Arm ausübt. Dies führt zu einem unsauberen Lösen.

Lösung:

a) Als erstes solltest du wissen, wie das Schulterblatt der Bogenschulter richtig positioniert wird. Übe immer wieder das korrekte Ausziehen und Ansetzen, ohne dabei einen Bogen in deinen Händen zu halten. Bei Anfängern, ist auch ohne einen Bogen in den Händen zu halfen, die Bogenschulter hochgezogen. Die meisten Anfänger versuchen, die hohe Bogenschulter zu senken. Dies ist jedoch nicht leicht. (Bild 1 zeigt die hohe Bogenschulter beim Ansetzen
Entwickle ein Gefühl für die Bewegung und die Position deiner Schulter. (Die korrekte Position Bild 2.) Wenn du die korrekte Position eingenommen hast, sei dir bewusst, sie auch zu stabilisieren. Baue, wie im Bild 3 zu sehen, eine Stabilität auf. Diese entsteht durch die Kraft, welche aus drei unterschiedlichen Richtungen ausgeübt wird.
Wenn du diese Position erzwingst, entsteht dabei eine zu große Kraft, die wiederum eine unnatürliche Haltung erzeugt.

b) Nachdem Du Dich bei der Trockenübung mit der richtigen Position vertraut gemacht hast, überprüfe das Schulterblatt und die Bogenschulter, während du die Bewegung mir einer Hantel in deiner Bogenhand wiederholst. Wenn du dies beherrscht, beginne mit einem sehr leichten Zuggewicht oder einem Gummiband. Sei achtsam, dass du die Position deines Schulterblattes nicht veränderst - besonders beim Ankern. Deine Schulterblattposition kann besonders effektiv korrigiert werden, wenn du ein Gummiband benutzt.


c) Jetzt übe das Ansetzten und Ziehen mit deinen richtigen Bogen, ohne einen Pfeil einzulegen. Ziehe deinen Bogen zweimal hintereinander aus und setze dann wieder ab. Dies ist effektiver als nur einmal auszuziehen und dann abzusetzen. Wenn du dies beherrscht, führe die Übung mit einem Pfeil durch und löse beim zweiten Mal richtig.

 

 

Die Bogenschulter geht nach »hinten«.

Dies geschieht beim Auszug, wenn das Zuggewicht zu hoch ist und wenn ein Anfänger zu früh den offenen Stand benutzt. Sicherlich wird behauptet, dass der offene Stand stabiler gegenüber dem parallelen Stand ist. Es ist wahr, dass die Grundfläche beim offenen Stand gröber ist als bei dem parallelen Stand. Dies macht es einfacher den Körper auszubalancieren und verhindert, dass der Oberkörper zum »Hohlkreuz« tendiert, sowie eine leichtere Kontrolle der Haltung möglich ist. Der offene Stand zeigt von seiner Stellung in Richtung der Scheibe. Wenn der Winkel der Bogenschulter kleiner wird, geht der Ellenbogen des Zugarmes auf die Höhe der verlängerten Pfeillinie. Der parallele Stand kann unstabil sein, ist aber der passendste Stand, um den Winkel der Schulter zu stabilisieren. Anfänger sollten deshalb vorsichtig sein, den offenen Stand zu früh zu benutzen. Wenn du dich für den offenen Stand entscheidest, solltest du vorher die korrekte Position der Bogenschulter bei dem parallelen Stand beherrschen.

 

 

 

 

Die Körperverlagerung nach »hinten«

Beim Auszug verlagert sich der Körper nach hinten. Das heißt, dass der Oberkörper seine Körpermitte verlässt. Dieses
bringt viele Probleme mit sich. Daraus resultierende Probleme sind z.B. eine hohe Bogenschulter, der Körper behält auch während des Haltens diese schiefe Position, oder es kommt zum unsauberen Lösen. Der direkte Grund für diese Haltung ist, wie ich es bereits erwähnte, ein zu hohes Zuggewicht bei Anfängern. Dies wird wie folgt beschrieben: Erstens. Der untere Teil des Bauches ist entspannt und der obere Teil mit den Rippen ist beim Auszug nach oben ausgerichtet. Der Bauchmuskel ist der wichtige Muskel, welcher mit den Rückenmuskeln zusammenspielt und für die stabile Haltung sorgt und diese beibehalten werden kann. Es ist sehr schwer, dem Körper ausreichend Stabilität zu verleihen, wenn die dazu notwendigen Bauchmuskeln fehlen. Durch die Kraft, welche dann auf die Schultern verlagert wird, bewirkt dies eine Versteifung des Oberkörpers. Das Korrigieren der Haltung wird wie folgt durchgeführt:

Erstens

Spanne beim Ansetzen des Bogens deine Bauchmuskeln an, ohne dabei deine Rippen zu heben. Für eine stabile Haltung ist es notwendig, dass du bereits beim Ansetzen des Bogens dei-
ne Bauchmuskeln anspannst. Viele Schützen, »verfallen« In dem Augenblick in diese schräge Lage, wenn die Bauchmuskeln nicht mehr angespannt sind- Deshalb ist es wichtig, dass du beim Ankern keine Kraft in deinen Bauchmuskeln verlierst. Wenn Du keine Kraft aus deinen Bauchmuskeln verlierst, kannst du die Veränderungen deiner beiden Schultern bemerken. Dies fühlt sich vielleicht am Anfang unangenehm an, aber es ist schnell erlernbar, indem du eine natürliche Position deiner beiden Schultern findest.

Zweitens

Dies ist der Fall, wo der Auszugspunkt mehr auf der Ellenbogen- oder der Schulterseite des Zugarmes liegt. Wenn der Auszugspunkt zu stark auf der Auszugsseite liegt, kann dass weiche Lösen ausgeführt werden, indem der gesamte Zugarm entspann* ist. Dies macht es einfacher den Ellenbogen des Zugarmes in direkter Verlängerung zur Pfeillinie zu bringen. In derr man den Auszugspunkt zu sehr auf die Auszugsseite legt, kann der Körper in die schiefe Position gelangen oder es kann zu einem überzogenen Auszug kommen. Die Sehne wird manchmal zu stark zur Brust gezogen. Dies führt zu einem Problem beim Schießen. Wenn dies geschieht, platziere die Körpermitte (bei einem Rechtshänder) nach links und achte da bei darauf, dass der Oberkörper nicht in die schiefe Position gerät. Diese Korrektur führt dazu, dass die Sehne den Körper nicht mehr berührt. Obwohl diese Position unbequemer ist, gewöhnt man sich schnell daran. Im Falle du deinen Auszug überdehnst, ist es besser die Korrektur als "Trockenübung" ohne Bogen durchzuführen.

 

 

Zusätzliche Kraft in der Zughand

In der Zughand ist es am einfachsten extra Kräfte zu aktivieren. Dies liegt on der hohen Sensibilität der Hand. Im Vergleich zu Armen und Beinen kann die Hand besser kontrolliert werden. Mit anderen Worten, wenn du ein schweres Objekt in der Hand hälst, werden zuerst die Kräfte in der Hand aktiviert und dann erst die des Rückens oder der Schulter. Wenn zuviel Kraft auf die Hände ausgeübt wird, dann wird die Haltung durcheinander gebracht und das Lösen wird grob. Daraus resultieren Fehler beim Lösen.
Korrigiere deine Haltung in dem du deinen Handrücken gerade machst und die Finger beim Einlegen in die Sehne lockerst. Das Einlegen der Finger in die Sehne soll so locker durchgeführt werden, als ob du einen kleinen Vogel in deiner Hand hälst. Behalte diese Haltung beim Ansetzten und Ausziehen und während des gesamten Schussablaufes bei. Einige Schützen haben erfahren,, dass sie beim Lösen der Kraft in der Hand, während des Ansetzens, auch die Kraft in ihren Fingern verloren haben. Dies steht in der Verbindung mit dem Halten. Mit diesem Thema wird sich mein nächster Artikel beschäftigen.

 

Weiter mit Teil 8