aus: Bogensport-Magazin Ausgaben 2,3 und 4 2003
Von Falk Thiele, Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft
Wie wichtig eine gute Haltung beim Bogenschießen ist,
kann man gar nicht oft genug erwähnen. Immer wieder sieht man auf Turnieren Schützen
mit fragwürdiger Haltung und hört auch immer wieder von Verletzung am Ellbogen
und Schultergelenk. Zur Zeit habe ich gerade den ersten koreanischen Bogenschützen
zur Ausbildung für das Compoundschießen. Dieser hat bereits fünf Jahre
Recurvebogen in der koreanischen Nationalmannschaft geschossen und soll nun als
Mitglied der Nationalmannschaft für Korea als Erster das Compoundschießen
richtig erlernen. Bei ihm kann man deutlich sehen, was eine gute Ausbildung
ausmacht. Er hat bereits mit dem Recurve zwischen 1320- 1350 Ringe in der FITA
Runde geschossen. Was aber viel interessanter als sein Ergebnis ist, ist die
Tatsache, wie perfekt er schießtechnisch ausgebildet worden ist. Er hat zum
Beispiel genau nach der Teillehrmethode das Schießen erlernt. Faktoren wie hohe
Schulter, kurzes Nachhalten, schlechten Stand und schiefe Körperhaltung kennt
er nur vom Erzählen.
Nach
zehn Tagen Training (täglich 500-700 Schuß), zwei Stunden Krafttraining,
dreimal die Woche Ausdauertraining, nur Sonntags frei schoss er bei einer
Leistungskontrolle mit Carbonschäften auf 18 Meter auf Anhieb 289 Ringe. Auf 30
Meter einen Tag später auf Anhieb 359 Ringe.
Natürlich
stand am Anfang die Technik im Vordergrund und auch die Tatsache geklärt, dass
der Rohschaft auf 30 Meter genauso in der Zehn steckt wie der befiederte Schaft.
Wichtig
ist die Erkenntnis, dass, wenn man technisch perfekt geschult worden ist, auch
jederzeit reproduzierbare Ergebnisse schießen kann. Das ist auch die Motivation
für mich, Ihnen auf diesem Wege immer und immer wieder die richtige Schießtechnik
zu vermitteln. Körperschieflage, abgewinkelter Bogenarm und andere Dinge, die
bereits vor 20 Jahren falsch waren, sollten heute wohl kaum noch Anwendung
finden. Sollten Sie irgendwelche Fragen haben und irgendetwas unklar sein können
Sie mich über das BSM jederzeit kontaktieren und ich helfe ihnen gerne weiter.
Zur
perfekten Technik:
Haltung + Schulterposition: (Bild 1)

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Parallelen Stand,
wie in der letzten Ausgabe beschrieben.
·
Schwerpunkt nach
vorne verlagern, Zehen auf den Boden pressen, aber nicht den Kontakt hinten am
Fuß verlieren, nur das Gewicht nach vorn verlagern
· Schulter nach unten hängen lassen und fixieren. Dazu muss man natürlich den Latissimus anspannen. Das ist der Muskel, der unter der Achselhöhle sitzt und der in dieser Art und Weise noch nie genutzt worden ist. Daher ist es wichtig, des den Schützen ohne Belastung in Form eines Bogens durchführen zu lassen. Sobald man nämlich ein Gewicht vorn zu halten hat, ist man schnell geneigt, mit der Schulter nach oben zu wandern.
·
Arme anheben bis
auf Schulterhöhe. Dies, ohne die Schulter zu heben.
·
Der Schultergürtel
bleibt offen und weit. Auch diese Übung fünf bis zehn Sekunden halten, spüren
und beobachten. Ein Spiegel ist ein gutes Hilfsmittel zum Visualisieren der
Elemente. So kann man dem Schützling nämlich zeigen, wie er da steht. Ein
Spiegel sollte in jedem Verein vorhanden sein, um den Schützen einzelne Teile
der Elemente darstellen zu können. Vielen von uns ist geholfen, wenn man einmal
selbst sieht, wie man dasteht.
Kopfhaltung
und Anker: (Bild 2)

·
Stand, Haltung
und Schulterposition wie oben.
·
Kopf Richtung
Scheibe drehen.
·
Kopf leicht zum Rücken
neigen, Kinn zeigt Richtung Bogen.
·
Zugarm
angewinkelt. Obere Handkante unter den Kiefer angelegt. Keinen Luftspalt
zwischen Kinn und Handkante lassen (fester Anker). In Deutschland kann man häufig
sehen, dass der Anker offen ist. Ein lockerer Anker ist der Garant für Probleme
in der Höhe und Seite Sie sollten immer versuchen einen Anker zu haben, der
zwischen Zeigefinger und weiteren Verlauf der Hand keinen Luftspalt zulässt.
Wer zulässt, dass ein Schütze einen offenen Anker führt, der nimmt Streuungen
bei der Höhe und Seite in Kauf. Außerdem ist zu dem noch schwierig, In die
Kraftlinie zu kommen. Eine enge Bogenführung mit festen Anker ist äußerst
wichtig.
·
Der
Zugarm-Ellenbogen ist oberhalb der Kraftlinie angehoben.
·
Die Bogenhand ist
oberhalb der Schulterlinie. Auch diese Übung wieder fünf bis zehn Sekunden
halten, spüren und beobachten, dann entspannen und wiederholen.
Bogenarmhaltung:
·
Hilfsmittel ist
eine Wandkante oder Pfosten.
·
Schützling steht
ca. eine Armlänge von der Wandkante oder dem Pfosten entfernt.
·
Hand an die
Wandkante oder Pfosten andrücken. Die Fingerspitzen zeigen dabei nach oben.
Ideal ist natürlich ein dünner Pfosten, da man hier die Hand wie am Bogen
umlegen kann. Ich habe dafür extra ein Mittelteil genommen und es auf ein
Gestell montiert, das in der Höhe verstellbar ist. So kann ich meine Schützen
unter realen Vorgaben das richtige Gefühl vermitteln, ohne dass sie dabei den
schweren Bogen halten müssen.
·
Die
Schulterposition ist tief und nach hinten fixiert, die Konzentration liegt auf
dem Latissimus und dem Schultergelenk.
·
Den Ellbogen mit
der Bogenhand nach außen drehen, Druck auf dem Handballen, soweit wie möglich.
Diese Übung dient dazu den Bogenarm Ellenbogen nicht zu nah an die Sehne zu
bringen. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass die Koreaner ihre Schützlinge
unter verschiedenen Winkeln der Bogenhand in Verbindung des Drehens des
Ellbogens geröntgt haben und folgendes dabei festgestellt haben: lndem man den
Ellbogen zusammen mit der Bogenhand nach außen dreht und den Druck auf den
Handballen des Bogenarms in der Griffschale legt, ist gewährleistet, dass Kugel
und Pfanne der Schulter kraftschlüssig werden und damit hohe Drucke wirken können,
die stabil geführt werden. Wer seinen Ellbogen und Bogenhand nicht nach außen
dreht, läuft Gefahr, dass es durch den Luftspalt im Schultergelenk zu
Verletzung bei hohen Zuggewichten kommen kann. Dabei kann man auch erkennen,
dass, wenn Ellbogen und Hand nach außen auf dem Handballen gedreht werden, je
nach Schützen eine Winkel des Handrücken von 15 bis 30 Grad dargestellt wird.
Auch diese
Übung wieder fünf bis zehn Sekunden halten, spüren und beobachten. Auch hier
sollte wieder der Spiegel zum Einsatz kommen.
Zugbandhaltung:
(Bild 3)

·
Ausgangsposition
wie bis zur Übung Kopfhaltung und Anker
·
Zughand liegt eng
am Hals und Kieferknochen ( fester Anker)
·
Zughand wird zum
Hals gedreht, untere Handkante
·
Die Schlaufe des
Release liegt so fest an, dass bei Zug keine Bewegung nach vorn stattfinden
kann, das Handgelenk aber entspannt bleibt. Der Lösefinger liegt entspannt am
Auslöser an
·
Ellenbogen
oberhalb der Kraftlinie
·
Ellenbogen der
Zughand auf gleicher Höhe zur Rückenlinie langsam bewegen (Back Tension). Die
Zughand bleibt dabei eng am Hals.
Anker
und Rückenspannung:
Diese folgenden Übungen werden mit einem Gummiband durchgeführt
·
Die
Anfangsspannung ( Länge des Gummibandes) so einstellen, dass der Schütze ohne
sichtliche Kraftaufwendung das Gummiband bewegen kann
·
Der Schütze führt
jetzt alle Bewegungen mit dem Gummiband durch, die er vorher "trocken"
erlernt hat. Reihenfolge wie vorher erklärt.
·
Der Unterschied
zwischen Trockentraining und dem Training mit dem Gummiband besteht darin, dass
er nun auch ein Gefühl für die Muskulatur entwickelt. Insbesondere für die Rückenmuskulatur,
die an den Bewegungen beteiligt ist.
·
Schwerpunkt bei
dieser Übung soll es auch sein, dass der Schütze unter gleichmäßig
steigenden Zug den Zugellenbogen kreisförmig nach hinten bewegt und der
Bogenarm dabei stetig dem aufbauenden Druck entgegen steht und fixiert bleibt.
Bei der Zugbewegung darf sich die Schulter nicht heben.
·
Nachdem der Anker
erreicht und fixiert ist, wird die Rückenspannung konstant gehalten und der
Druck auf den Lösefinger leicht und stetig erhöht, bis das Release ausgelöst
wird. Dabei bewegt sich der Zugellenbogen durch die freiwerdende Kraft der Rückenmuskulatur
in gleicher Höhe nach hinten. Der Bogenarm, Kopf, Körper und Augen bewegen
sich dabei nicht! Der Schütze soll nach dem Lösen noch ca. drei Sekunden die
Restspannung im Körper ( Rückenmuskulatur) halten und fühlen (Nachhalten).
Erst danach entspannt der Bogenschütze sich und beginnt erneut von vorne.
·
Erst wenn dies Übung
mit dem Gummiband so perfekt erlernt worden ist, dass der Trainer keine Mängel
mehr feststellen kann, wird mit dem Nullbogen oder einem sehr leichten Bogen
begonnen. Man kann ruhig einen Holzrecurvebogen nehmen und auch dort ein Peep-Sight
benutzen und den Schützen so langsam an das Schießen mit dem Compound heranführen.
Man sollte niemals vorher mit einem Bogen beginnen, da sich sonst Fehler
einschleichen, die der Schütze ein ganz Leben beibehalten wird und die nur sehr
schwer korrigierbar sind.