aus: Bogensport-Magazin Ausgaben 2/2003
Von Falk Thiele, Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft
Wie Sie alle wissen, stellen wir unser Material zum
Beginn der Saison neu ein. Neue Pfeile, Sehnen usw. werden getestet. Ich möchte
mich kurz wiederholen: Wir stellen unseren Bogen wie folgt ein:
Tiller
Null
Pfeilauflage
Center
Nockpunktüberhöhung
90 Grad zum Schaft
Rollen
synchron
Kabelabweiser
so eng wie möglich am Pfeil
Auszugsgewicht
und Länge wie vorher
Und
zur Kontrolle der ach so beliebte Rohschafttest
Nachdem dies erledigt war, bin ich mit meinen Schützen auf
70 Meter (Halle) gegangen und habe dort den Rohschaft ausgeschossen. Ziel war
es, den Rohschaft in die Gruppe der befiederten Pfeile zu bekommen. Auf dem Weg
dorthin fiel uns auf, dass die Höheneinstellung nur über den Gebrauch von verschieden
starken Metallfederblättchen (Fingern) an der Auflage gelang. Wir haben dazu
drei verschiedene Stärken, 0,20 Millimeter, 0,25 Millimeter und 0,30 Millimeter
Federstahl, welcher mit Laser geschnitten worden ist, verwendet.
Als es uns
gelang, den unbefiederten Pfeil in die Gruppe des befiederten Pfeile zu
bekommen, stellte sich für mich die Frage, wie so etwas wohl im Zeitrafferfilm
aussieht und wie sich die Auflage verhält. Zuvor schossen wir aber mit dem
Rohschaft eine Leistungskontrolle
auf 70 Meter. Das Ergebnis war gut. Bettina Thiele gelangen auf Anhieb 344
Ringe. Danach nummerierten wir alle Pfeile durch, schossen diese unbefiedert auf
70 Meter und verglichen dann die Trefferlage. Die gemeinschaftlich gruppierten
Pfeile wurden dann mit einem "W" für Wettkampf, die anderen mit einem
"T" für Training gekennzeichnet.
Danach
wurde erneut eine Leistungskontrolle mit dem befiederten Pfeil geschossen. Auch
hier war das Ergebnis zufriedenstellend. Es gelang eine nochmalige Steigerung
auf 348 Ringe. Nun konnte man sagen Bogen, Pfeile und Schütze passen sehr gut
zusammen. Wie sieht jedoch so etwas im Zeitraffer aus und was passiert
eigentlich beim Abschuss? Warum fliegen die Pfeile soviel besser, wenn man diese
flexiblen Finger aus Federstahl nimmt, anstatt der serienmäßigen Finger? Warum
ist die Gruppierung soviel besser? Und vvarum kann man selbst Spin-Wing Federn
schießen, ohne den 90-Grad-Winkel von Sehne zum Pfeil vertikal zu verlassen?
Bis heute
waren wir es gewohnt, unseren Pfeil mit Fußspray oder Puder zu belegen, um zu
sehen, ob die Federn die Auflage berühren Nicht selten waren wir dann
gezwungen, den Nockpunkt nach oben zu verschieben, um sicherzustellen, dass die
Federn nicht die Auflage berühren. Das ist vorbei und ich erzähle Ihnen auch,
warum.
Wir
sind eigentlich immer davon ausgegangen, dass Pfeilauflagen am Compound so weich
eingestellt werden müssen, dass sie gerade noch den Pfeil in der oberen
Position halten. Manche hatten auch die Pfeilauflage so eingestellt, dass nur
durch den Zug vom Pfeil die Auflage sich nach oben bewegte. Die Idee dabei war,
dass beim Lösen der Pfeil durch seine Vertikalbewegung die Auflage nach unten
bewegt, richtig? Nein, Falsch! Geschockt?
Wir
hatten die Gelegenheit, bei der Firma Beiter Aufnahmen von den unterschiedlichen
Pfeilauflagen im Abschuss zu machen. Wir verwendeten Pfeilauflagen, die sehr
weichen Federdruck hatten und mit den unterschiedlichsten Fingern ausgerüstet
waren. Wie zum Beispiel Messingschlaufe, Zunge, starrer Carbonfinger und dann
natürlich die Federstahlfinger. Das Ergebnis war eine Überraschung.
Wir
stellten fest: Bei keiner Auflage hat sich die Achse, die mit der Feder verbunden
ist, bewegt, sondern sie stützte sich auf dem Finger ab und ging kurz darauf
von Finger noch oben weg. Dies, ohne dass sich die Achse der Pfeilauflage
bewegte. Das bedeutet, dass der Pfeil maximal zehn bis fünfzehn Zentimeter auf
der Auflage geführt worden ist und dann bis zu ca. einem Zoll noch oben ohne Führung
wegging. Nur die Auflagen, die mit dem Federstahlfinger ausgerüstet waren,
wurden, ähnlich wie beim Button, sauber in der Vertikalen geführt. Natürlich
stand auch hier die Achse still, jedoch übernahm der Finger die Führung und
sorgte dafür, dass der Pfeil sich in der Höhe nicht aus der Befestigungsbohrung
der Pfeilauflage bewegte. Unterschiedlich starke Finger gewährleisteten, dass
die Federn des Pfeils nicht die Auflage berührten und man sogar Spin-Wings im
90 Grad Pfeil-Sehnenwinkel schießen konnte. Der Pfeil-Sehnenwinkel von 90 Grad
ist in sofern wichtig, damit der Pfeil auch die maximale Energie aufnehmen kann,
ohne seitlich abzudriften.
Aber
was bedeutet dies für uns Schützen? Ganz einfach: Wer nicht unbedingt Wert auf
die komfortable Einstellbarkeit legt, kann mit einer billigen Pfeilauflage und
dem Federstahlblättchen unter dem Strich eine bessere Gruppierung und optimalere
Tuningvoraussetzung schaffen. Sie werden feststellen, dass die Federn nicht mehr
die Auflage berühren, was einen optimaleren Pfeilflug zur Folge hat. Sie
sollten diesen Test nach Möglichkeit auf 70 Meter durchführen. Aber auch auf
18 bis 30 Meter sollte es schon funktionieren. Voraussetzung hierfür sind
optimal getuntes Material und ein perfekter Schütze.
Für
diejenigen, die sich noch an meinen Bericht mit dem Rohschafttest erinnern können,
sei noch gesagt, dass wir heute wissen, warum sich beim Compound alles
spiegelverkehrt verhält. Tatsache ist, dass der Compoundpfeil hinten (nach dem
Peak) auslängt und zwar zum Bogenfenster und nicht wie beim Recurvebogen vom
Bogenfenster weg. Der Compoundpfeil verhält sich also genau spiegelverkehrt, da
er auch erst hinten maximalen Schub erhält.